He! Norderney - September 2012

Inhalt

  • 2. Filmkultnacht des Jahres
  • Kleingärtnerverein: „Pflanzen hören sehr gerne Musik“
  • Großes Inseltreffen 2013
  • Rätselauflösung
  • Ansichtssache
  • Ein Bunker für Fledermäuse
  • Quergelesen
  • Mit Tee – all up Stee (alles in Ordnung)

He! Norderney - September 2012 als PDF (9.92 MB)


(Textauszug) „Pflanzen hören sehr gerne Musik“

Von Waltraut Rass

Ruhe, Zufriedenheit, ein guter Boden und Musik sind die Rezepte von Günther und Gisela Möller für einen hervorragenden Ernteertrag. „Pflanzen wollen unterhalten werden. Sie hören sehr gerne Musik. Bei mir läuft nur NDR 1 und Sport, sonst nichts“, verrät der Norderneyer. „Schönste Musik und tollste Nachrichten“, wie er sagt, scheinen sich tatsächlich positiv auf Menschen, Tiere und Pflanzen in seinem Kleingarten im Gaswerksgelände auszuwirken: Die Katze, die schon im Garten geboren wurde, erreichte das stolze Alter von 22 Jahren. Die zehn Hühner und der Hahn sind kaum wahrnehmbar, sie wirken ganz unaufgeregt und zufrieden. „Wenn man selbst ruhig ist, überträgt sich das auf die Tiere“, so Möller. Die Hennen legen dicke braune Eier. „Frischer geht es nicht als aus‘m Garten“, findet der Rentner und stellt sogleich sein Futterrezept vor: Körnerfutter aus Weizen, Hafer, Gerste und gebrochenem Mais, Legemehl, geraspelten Möhren und einfachem Buttertoast. „Pro Huhn gibt es 30 Gramm Futter pro Tag“, erklärt Möller. Er hat seinen Garten schon seit über 40 Jahren und fällt deshalb noch unter den Bestandsschutz. Die Haus- und Kleintierhaltung ist nämlich laut der Gartenordnung des Kleingärtnervereins Norderney nicht mehr erlaubt. Der Hühnermist ist ein guter Naturdünger, wie der Betrachter ganz deutlich an Günther und Gisela Möllers Garten sehen kann. Er hat seine ganz spezielle Düngemischung für die Böden. „Alles auf Naturbasis. Chemie braucht man nicht“, betont Möller entschieden. Die Tatsachen sprechen für sich: Es wächst und sprießt und die Früchte weisen eine beeindruckende Größe auf. Das Gewächshaus quillt über von saftigen Tomaten, Paprika und Salatgurken. Die Gurken haben eine beeindruckende Größe von 60 Zentimetern und mehr, von den riesigen Zucchini neben dem Glashaus ganz zu schweigen. Eine einzige Pflanze trägt 25 Früchte, einige so groß wie eine steinzeitliche Keule. „Wenn der Boden in Ordnung ist, kann man alles machen“, bemerkt der erfahrende Kleingärtner.

Die Ernte im vergangenen Jahr war überaus ertragreich, berichtet Günther Möller weiter. So gab es beispielsweise rund dreieinhalb Kilo Stachelbeeren, eindreiviertel Zentner Kartoffeln, fünf Kilo Süßkirschen, jede Menge Äpfel, grüne Brechbohnen, Weintrauben, Haselnüsse, Blumenkohl, Spitzkohl, Johannisbeeren, Mirabellen. Alle zwei Jahre hätte er eine besonders gute Ernte, immer im Zwei- Jahres-Rhythmus, das sei normal, berichtet der Norderneyer. Auch die Blumen fühlen sich in dem Kleingarten offensichtlich sehr wohl: So blühen hier unter anderem Gladiolen, Hortensien, Margeriten und Fuchsien in wahrer Pracht.

Günther Möller ist mit sich und der Welt rundherum zufrieden, was sich wohl auch auf das gesamte Gartenumfeld übertragen mag. „Der Kleingarten ist unser Paradies und mein Ein und Alles“, gibt er zu. Er liebt es außerdem, auf Norderney zu leben. Der gebürtige Bremerhavener ist seit 44 Jahren mit seiner Gisela verheiratet. Bevor er von Oldenburg zur Insel zog, war er für die Bundeswehr als Koch tätig. Während eines Inselbesuches mit einem Kameraden lernte er seine spätere Frau kennen. „Es war Liebe auf dem ersten Blick“, so Möller. Er bat sie, ihm eine Stelle auf Norderney zu besorgen, was sie dann auch sogleich tat. Der gelernte Bäcker arbeitete daraufhin zunächst viereinhalb Jahre für die Bäckerei Eberhardt in der Winterstraße. Später war er für die Bahnspedition und für Eilt Wessels auf dem Bau tätig, bis er bei der Stadt Norderney anfing und zum Pflasterer umgeschult wurde. 27 Jahre lang arbeitete Möller für den Bauhof der Stadt, bis er aus gesundheitlichen Gründen in Frührente ging. Das Backen macht ihm immer noch Spaß. So duftet es bei ihm nicht nur in der Weihnachtszeit nach frischem Gebäck. In seiner Laube steht neben dem Kanonenofen auch ein Elektroofen. Nächstes Jahr wird Günther Möller seinen 70. Geburtstag feiern, doch dieses Alter sieht man ihm nicht an. Gartenarbeit hält eben jung.