He! Norderney - Oktober 2012

Inhalt

  • Kleingärtnerverein: 14 Kaninchen und ein verwunschener Garten
  • Zugvogeltage im Nationalpark
  • Ansichtssache
  • Kuersche kommt
  • Rätselauflösung
  • Buchtipp: Frisch erschienen
  • Aus der Seekiste: Vorbeugung von Straftaten

He! Norderney - Oktober 2012 als PDF (10.05 MB)


(Textauszug) 14 Kaninchen und ein verwunschener Garten

Von Waltraut Rass

Einen geheimnisvoll und verwunschen anmutenden Garten gibt es im „Schlickdreieck“. Nicht Eingeweihte vermuten hier mitunter gar keinen Kleingarten, sondern vielleicht ein Wäldchen oder eine kleine Parkanlage: Hinter einer Holztür ducken sich dicht nebeneinanderstehende Bäume über einer kleinen Allee.

Nach einem guten Stück den höhlenartigen Weg entlang geradeaus und dann noch einmal einige Schritte rechts betritt der Besucher schließlich das Refugium von Hans Jentsch. Der Rentner, wenn er dann zwischen den vielen grünen Büschen und Bäumen gesichtet wurde, begrüßt seine Besucher in seinem abgelegenen Garten stets freundlich. Er gibt gerne Auskunft über die vielfältige Natur in seiner über 500 Quadratmeter großen Parzelle. Es gibt hier reichlich Raum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Beeindruckend viel Platz. Hans Jentsch nennt diesen Garten seit 1970 sein eigen. Zuvor hatte er zehn Jahre lang einen Schrebergarten in dem Gelände an der Bürgermeister-Willi-Lührs-Straße, am Kap. So war Jentsch auf Norderney nur drei Jahre lang ohne Garten. Nachdem er seine Frau Bina (geb. Donner) auf der Insel kennengelernt hatte, ließ er sich 1957 vom Postamt Wilhelmshaven nach Norderney versetzen.

„Such Dir mal ‘n Stück aus“ habe vor 42 Jahren das damalige Vorstandsmitglied des Kleingärtnervereins Norderney, Paul Strüpp, zu ihm gesagt, erinnert sich Jentsch. Das Gelände hinter dem Deich, auf dem die Hafenstraße entlangführt, habe damals zum Teil aus Dünensand und Schutt bestanden. Er habe die Parzelle nach Gutdünken mit Holzpflöcken abgesteckt und sich an die Arbeit gemacht, sie zu kultivieren.

In diesem Garten wird Obst und Gemüse angebaut und hier „gibt es eigentlich alles“, erklärt Hans Jentsch: zum Beispiel Apfel- und Birnbäume, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Weißkohl, Spitzkohl, Wirsing, Grünkohl, Tomaten, Buschbohnen, Ackersenf, Gurken, Zucchini und vieles mehr. Schließlich werden sieben Personen mit den gesunden Produkten versorgt, so Jentsch: seine Frau, sein Sohn, die Schwiegertochter und drei Enkelkinder.

Aber auch Blumen und Pflanzen wie Kapuzinerkresse, Ringelblumen und sogar so vermeintliches „Unkraut“ – Jentsch nennt es „Wildkräuter“ – wie wunderschöne Nachtkerzen oder Disteln haben einen Platz in diesem Stückchen Grün.

Jentsch lebt im Einklang mit der Natur: „Ich versuche, alles auf biologische Art anzupflanzen“. Der Rentner holt sich dazu Tipps aus Fachbüchern, „Der Biogärtner“ aus den 1980er Jahren und ein moderneres Exemplar: „Gärtnern im Biotop mit Mensch –Das praktische Biogarten-Handbuch für ein zukunftsfähiges Leben“ von den Eduard und Gerda Kleber.

So werden beispielsweise Möhren mit Knoblauchjauche begossen und Dillsamen mit Möhrensamen zusammen eingepflanzt, um Möhrenfliegen auf natürliche Art abzuwehren.

Die natürliche Flora und Fauna soll sich in diesem Kleingarten ebenfalls entfalten können. So lässt Jentsch auf einem Stück Grünfläche Gräser stehen, an deren Samen sich Spatzen gütlich tun können. Wenn der Sauerampfer reif ist, picken seine gefiederten Freunde die Saat heraus, während sie sich an den Halmen mit ihren Krallen festklammern. Totholzhecken, die er angelegt hat, bieten Pflanzen und Tieren wertvollen Lebensraum. Sogar die Ohrenkneifer haben in Jentsch’ Garten ihre von ihnen bevorzugten Plätze, so halten sich die Nützlinge in den schattigen Zwischenräumen von den Plexiglasabtrennungen des Vogelhäuschens auf.

„Das ist für mich Erholung hier“, bringt Hans Jentsch sein Hobby auf den Punkt. Ein weiteres Hobby des Postbeamten im Ruhestand ist die Rassekaninchenzucht. Ihr geht er auch in dem Kleingarten nach. Heutzutage ist laut Satzung des Kleingärtnervereins Norderney die Haltung von Haus- und Nutztieren in den Kleingärten verboten, doch der Garten von Klaus Jentsch fällt unter den Bestandsschutz.

Schon von Anfang an züchtet Jentsch, der Mitglied im Norderneyer Kaninchenzuchtverein I 54 ist, die Rasse Kleinsilber schwarz. Der Norderneyer wurde im Laufe seines langen Züchterlebens mit dieser Rasse mehrfach Kreismeister und Landesmeister. 14 Tiere leben zurzeit in ihren Ställen neben der Gartenlaube: acht Rammler und sechs Häsinnen. Sie werden mit Gartenabfällen, Grünschnitt, Heu und Trockenfutter gefüttert. Die hübschen gedrungenen Tiere hat der erfahrene Züchter an Geräusche gewöhnt, sodass sie auch dann ruhig bleiben, wenn Besucher, insbesondere Kinder, anwesend sind. Den Kindern zeigt Jentsch seine Tiere besonders gerne, wie auch den Garten, in dessen Teich sich im Frühjahr die Kaulquappen tummeln.