He! Norderney - Mai 2012

Inhalt

  • Auf Norderney wird „Zukunft Kleingarten“ gelebt
  • Golfplatzerweiterung noch nicht abgehakt?
  • Ansichtssache: Fischerhäuser
  • Rätselauflösung
  • Fischerhaus – Großes Jubiläum am 18. und 19. Mai
  • Buchtipp
  • Kolumne: Meine Insel
  • Ausstellung – Kinder einer Welt
  • Aus „music nights“ wird „Summertime @ NORDERNEY“
  • Trainingslager und Testspiel: Bayer Leverkusen
  • Norderneyer Seastars
  • Norderneyer Brauhaus

 


He! Norderney - Mai 2012 als PDF (12.22 MB)


(Textauszug) 75 Jahre Fischerhaus-Museum – Großes Jubiläum am 18. und 19. Mai

Das Fischerhaus-Museum im Argonner-Wäldchen blickt auf 75 Jahre Geschichte zurück. 1937, drei Jahre nachdem die Nazis in Deutschland die Macht an sich gerissen hatten, wurde das Fischerhaus-Museum als getreues Abbild eines Norderneyer Fischerhauses, wie es als Wohn- und Arbeitsstätte früher auf der Insel üblich war, eröffnet.

Die Idee eines solchen Museums ist schon älter. 1926 wurde der Heimatverein gegründet. „Die Gründung erfolgte an einer zeitlichen Schwelle, wo vorausschauende Inselbewohner … deutlich die Grenze erkannten, an der altes ursprüngliches Norderneyer Brauchtum mit seiner Wohnkultur unwiederbringlich verloren zu gehen schien“, heißt es in einer Chronik des Heimatvereins aus dem Jahr 1986.

Wie überall in Deutschland war auch auf Norderney mit fortschreitender Industrialisierung der Wunsch groß, das Erbe der Mütter und Väter zu bewahren. Wie groß der Wille war, das Museum zu bauen, zeigt die Fischerhaus- Lotterie von 1928. In wirtschaftlich schwersten Zeiten wurden auf der Insel fast 14.000 Lose der „Fischerhaus-Lotterie“ verkauft und so der Grundstock zur Finanzierung gelegt.

Zurzeit der Gründung des Vereins stand in der Winterstraße noch ein stilechtes Alt-Norderneyer Fischerhaus. Dessen Kopie steht heute im Argonner-Wäldchen. Statt das alte Gebäude aus der Winterstraße abzutragen und an neuer Stelle aufzubauen, hatten sich die Gründer des Heimatvereins für einen originalgetreuen Nachbau entschieden.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. August 1934. Einen Tag zuvor hatte der damalige Reichkanzler Adolf Hitler per Volksabstimmung seinen absoluten Machtanspruch zementiert. Das Amt des Reichkanzlers und des Reichspräsidenten wurde vereinigt und damit die Verfassung der Weimarer Republik endgültig aus den Angeln gehoben.

Dieses Ereignis spiegelte sich bei der Grundsteinlegung wider, wie die Chronik des Heimatvereins von 1986 vermerkt. „Van Dag, een Dag later as Reichskanzler Adolf Hitler dat Volk befragt hett, legen wi Grundsteen van dat oll Fiskerhuus…“ (Heute, einen Tag später als Reichskanzler Adolf Hitler das Volk befragt hat, legen wir Grundstein …). So ist es in einer Urkunde vermerkt, die bei der Grundsteinlegung eingemauert wurde. Wie überall wurde die Heimatpflege auch für die Nazipropaganda vereinnahmt.

1937 wurde das Heimatmuseum eröffnet. Zwei Jahre später, mit dem deutschen Überfall auf Polen und dem 2. Weltkrieg, kam das Vereinsleben bald zum Erliegen.

Nach 1945 fand der Heimatverein zu neuer Größe und vor allem zu seiner ursprünglichen Bestimmung. Einerseits blieb der Aspekt der Heimatpflege und Erinnerung an das Leben vergangener Tage prägend, andererseits wurden die Aufführungen der „Spielschar“ zu einem seit Jahrzehnten unverzichtbaren Programmpunkt der Gästeunterhaltung und der Heimatverein zu einem der Aushängeschilder der Insel.

Etliche schöne Feiern hat das Fischerhaus-Museum im Argonnerwald schon in den letzten 75 Jahren erlebt. Im September 2007 wurde neben dem 70. Geburtstag des Fischerhaus-Museums auch die Fertigstellung des neuen „Teehuus‘“ groß begangen. In den vergangenen Jahren wurde jährlich ein Museumsfest veranstaltet mit immer wieder neuen Aktivitäten rund um das Fischerhaus.

Die 1986 nachgebaute „Badekutz“ (Badekarre) steht zwischen dem Museum und dem Teehuus und vervollständigt die kleine Museumslandschaft im Argonnerwald.

Das letzte Prunkstück war die Restaurierung des alten Pferdeomnibusses im Jahr 2009/2010.

Nur drei Museumwarte hat es in 75 Jahren gegeben: Ferdinand Visser von der Vereinsgründung bis 1976, Harm Pauls von 1976 bis 1980. Johann Visser ist nun über 30 Jahre für das Museum verantwortlich. Ihm zur Seite stehen seine Frau Karin, Helga Dresen, Almut Harwick, Hermann Carls und Helmut Eggen.