He! Norderney - März 2011


He! Norderney - März 2011 als PDF (8.29 MB)


(Textauszug) „Reine Kopfsache“ - Klimatherapie täglich

(der) - „Prima Klima und das täglich“ ist das Motto der Klimatherapie für jedermann. Treffpunkt ist täglich (außer sonntags) an den Praxisräumen (Seiteneingang des Badehauses).

Vom ersten Luftbad bis zum Sprung in die kalte Nordsee erleben die Teilnehmer gemeinsam mit erfahrenen Klimatherapeuten alle Aspekte der Klimatherapie, die der verstorbene Professor Dr. Menger über Jahrzehnte auf Norderney entwickelt und klinisch angewendet hat. Für die Infrastruktur sorgt die Kurverwaltung, die den Teilnehmern auch im Winter die Nutzung der Badehalle am Weststrand ermöglicht.

„Wir wollten ein Angebot für Gäste und Norderneyer schaffen, das es erlaubt, täglich einzusteigen“, erklärt Karin Rass, die im Badehaus eine Heilpraktikerpraxis betreibt.

Martin Schulz, der im Hauptberuf als Arzt in der Rehabilitationsklinik Haus Thomas-Morus arbeitet, begleitet dort die Klimatherapie ärztlich und praktiziert sie seit drei Jahren selbst: „Man kann den positiven Effekt nur beschreiben, wenn man ihn selbst erlebt hat. Es wirkt.“

Martin Schulz ist sich sicher, dass die Klimatherapie eine große Zukunft hat. Im Vergleich zu Wärme getragenen Wellnesskonzepten sei die Klimatherapie unbequem, doch gebe es eine Tendenz in der Gesellschaft, bei der das Unbequeme auf offene Ohren stoße.

Bärbel Kulisch, ebenfalls ausgebildete Klimatherapeutin, berichtet von ihren Erfahrungen, die sie mit Gruppen aus verschiedenen Norderneyer Kureinrichtungen sammelte. „Das Geniale ist, man sieht es den Frauen an“, so Kulisch und weiter: „Die Endorphine machen fast süchtig“.

Katja Schillert, als Krankenschwester am Haus Thomas Morus tätig, berichtet von ihren eigenen Erfahrungen: „Ich bin auf die Insel gekommen und habe immer gefroren. Jetzt habe ich auch im Winter stets warme Füße. Der Körper lernt und wir wollen ihn etwas kitzeln.“

Rado Petrovski betreibt Klimatherapie mit Patienten der Nordseeklinik seit acht Jahren, geht selbst mit ins Wasser und ist von der Wirksamkeit überzeugt. Die Aerosole an der Brandungszone (aufgewirbelte Tröpfchen) und der Kälteeffekt hätten großen Einfluss auf seine Patienten. Bei Schuppenflechte sehe man beinahe täglich eine Verbesserung, Asthma-Patienten erlebten teilweise gute Effekte. Außerdem sei die Klimatherapie ein sehr gutes Gefäßtraining. Aus seinem Klinik-Alltag wisse er auch, dass bei manchen Menschen die Klimatherapie nicht zu empfehlen sei, weshalb er froh sei, dass das Angebot auch von einem erfahrenen Arzt mit gestaltet werde.

Etwa eine dreiviertel Stunde müssen die Teilnehmer für das tägliche Angebot einplanen. Nach etwa fünf Tagen geht es ins Wasser hinein. Die Therapeuten sorgen vor allem dafür, dass sich niemand übernimmt, erläutert Karin Rass.

Rado Petrovski macht den Anfängern Mut: „Nach meiner Erfahrung sind die Patienten am Anfang zögerlich. Das ist eine reine Kopfsache. Nachher, wenn sie den Effekt spüren, wollen die Patienten ihr Bad, egal, was für ein Wetter herrscht“, so der Therapeut.

Karin Rass, seit Jahren engagiert bei der Fortführung der Therapie nach Dr. Menger, ist begeistert: „Es kostet eigentlich nichts. Das Meer ist immer da. Wir schaffen nur etwas Infrastruktur und die Anleitung.“

Die tägliche Teilnahmegebühr beträgt fünf Euro. Dafür gibt es Betreuung, eine Badekarte und Gesundheit aus dem Meer.