He! Norderney - Juli 2011

Inhalt

  • Schießen: „Eine Sportart wie jede andere auch“
  • Norderneyer Junior-Ranger
  • Kolumne: Meine Insel
  • Tee, Bücher, Kleider – die AWO auf Norderney
  • Buchtipp:„Erlösung“ von Jussi Adler Olsen
  • Schlagerparty auf dem Kurplatz
  • Liebe zu Werder und Norderney
  • Oskargewinner Max Zähle beim Filmfest
  • Waldkirche: Besondere Atmosphäre
  • Das maritime Betonnungssystem – der Weg zur Insel

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(Textauszug) „Eine Sportart wie jede andere auch“

(bad) – Der Schießsportverein Norderney wird dieses Jahr 45 Jahre alt. Er wurde 1966 durch Paul Görtz ins Leben gerufen. Der Essener kannte aus seiner Heimat die Tradition von Schützenvereinen. Er hat den Schützenverein auf Norderney gegründet. Peter Bruns, erster Sportleiter des Vereins, vermutet, Görtz hat damit ein Stück seiner Heimat auf die Insel holen wollen. Sozusagen als Heimweh-Bewältigung.

Einmal im Jahr wird der König geschossen. Das bedeutet nicht, dass sich der jeweilige Schützenkönig auf ein verkürztes Leben einstellen muss, sondern beschreibt das Ermitteln eines neuen Schützenkönigs. Königsschießen heißt auf dem Festland auch gerne Schützenfest. Wer den nicht nur sprichwörtlichen Vogel abschießt, der wird Schützenkönig. Aber anders als häufig auf dem Festland gehandhabt, muss auf der Insel niemand dafür einen fünf- bis sechsstelligen Kredit aufnehmen. Auf Norderney könne auch ein Hartz IV-Empfänger Schützenkönig sein, so Bruns. Das sei im Verein so geregelt.

Im Moment umfasst der Schützenverein Norderney etwas über 100 Mitglieder, sagt Bruns. Von denen sind viele sogenannte passive Mitglieder.

Regelmäßig zu den Schießabenden kommen zwischen 10 und 20 Mitgliedern. Manche haben auf Norderney auch nur ihren Zweitverein, weil sie eigentlich auf dem Festland wohnen und dort schon schießen.

Das Schießen ist eine Sportart wie jede andere auch, meint Bruns. Kleinkalibergewehre gibt es auf Norderney im Schützenverein nicht. Hier schießen die Mitglieder mit Luftgewehren und Luftpistolen. Armbrustschießen und sogenannte Zimmerstutzen gibt es auch.

Der Name Zimmerstutzen leitet sich ab von einer alten Wildererwaffe. Ein Stutzen ist eigentlich eine abgesägte Flinte. Durch ihren gekürzten Lauf konnte sie leichter versteckt werden. Beim Sportgerät ist der Lauf optisch zwar genauso lang wie bei einem echten Gewehr, damit das Zielen leichter fällt, die Hälfte des Laufs ist aber von unten offen. Dadurch erhält die Kugel nicht die volle Energie der Treibladung.

Mit diesen Sportgeräten kann man sich und andere natürlich verletzen, entsprechend vorsichtig muss damit umgegangen werden. Aber dass es sich nicht um Waffen im gebräuchlichen Sinne des Wortes handelt, ist den Geräten anzumerken. Das geht beim Laden der Waffen los und hört auf bei den Einstellmöglichkeiten, um sie auf die eigene Person anzupassen.

Das Laden gestaltet sich tatsächlich umständlich. Der Ladevorgang dauert schon bei absolutem Stillhalten der Waffe einige Sekunden – wenn man nicht allzu dicke Finger hat. Im Gelände oder gar in Bewegung wäre ein neues Laden so gut wie unmöglich.

Die Sportschützen auf Norderney schießen gewöhnlich über eine Distanz von 10 Metern. Nur für Zimmerstutzen sind 15 Meter Entfernung zwischen Schütze und Ziel vorgesehen. Zimmerstutzen sind auch die einzigen Sportgeräte im Verein, die mit einer klassischen Treibladung betrieben werden. Dafür gestaltet sich das Laden bei diesen Waffen noch komplizierter als bei den Luftgewehren. Die Munition ist zweigeteilt – Kugel und Treibladung sind einzeln. Erst in der Waffe werden sie zusammengefügt. Das Laden verlangt Fingerspitzengefühl. Bei Wind und Wetter völlig ausgeschlossen.

Sicherheit wird im Verein groß geschrieben. An die Waffen kommt nur ran, wer einen Schlüssel zum Tresor hat. Das ist Vorschrift und wird auch überprüft. Auch die Waffen werden regelmäßig inspiziert. Prüfaufkleber mit Jahreszahlen, die ein wenig an TÜV-Plaketten an Autos erinnern, zeugen davon.

Nach Vereinsgründung war das Schützenlokal zunächst im Gebäude der jetzigen „Essbar“ am Kurplatz untergebracht. Eine weitere Station war die Meierei. In den Jahren 1969/70 wurde kein König geschossen, erzählt Bruns. In dieser Zeit wurde das jetzige Vereinsheim aufgebaut. Es handelte sich um eine Wohnbaracke für Angestellte der Firma Eilt- Wessels. Sie wurde am jetzigen Ort, gegenüber der Meierei, neu aufgebaut. Pünktlich zum nächsten Königsschießen 1971 war das neue Vereinsheim dann fertig. Im Jahr 1977 fand der norddeutsche Schützentag auf Norderney statt. Da war zum Glück gerade das Haus der Insel fertig, berichtet Bruns. Andere Räume in erforderlicher Größe hätte es sonst auf der Insel gar nicht gegeben.

1983 wurde der Schießstand aus Betonfertigbauteilen neu gebaut. Dabei achtete der Verein auf die Möglichkeit, den Stand an verschiedene Anforderungen anpassen zu können. Mit wenig Aufwand kann der Schießstand in einen Partyraum verwandelt werden.

Auch andere Teile mussten im Laufe der Zeit ausgetauscht werden. Anfang der 90er Jahre kam dann der Zimmerstutzenstand dazu. Die Bauweise zeugt von kreativem Denken. Der Stand wurde aus mehreren Teilen für Fertigbaugaragen zusammengefügt. Einfach, effektiv – und vergleichsweise preiswert.

Das neueste Projekt war der Ausbau des Vereinsheims selbst. In mehrwöchiger Arbeit entfernten die Vereinsmitglieder die Inneneinrichtung und gaben dem Raum ein neues Aussehen. Viele Stunden abendlicher, ehrenamtlicher Arbeit flossen in die Renovierung. Ein gemütlicher Raum, der zum Hinsetzen und Bleiben einlädt, ist entstanden. Auch eine Theke ist vorhanden. Aber mal ehrlich: Ein Schützenverein ohne eigene Theke wäre auch irgendwie nicht komplett, oder?