He! Norderney - Dezember 2012

Inhalt

  • Editorial
  • Tourismus: Mehr Gäste als je zuvor
  • Rückblick: 150 Jahre Seenotretter auf Norderney
  • Kegelrobben - nach Hunderten von Jahren zurück
  • Päckchen sind auf dem Weg
  • Weihnachtsgrüße vom Ausrufer
  • „Es haben reihenweise die Berge gebrannt“
  • „Das Unscheinbare scheinbar machen“
  • Schiffe im Hafen: „Beaufort“
  • Buchtipp
  • „Die haben wir Streifenhörnchen genannt.“
  • Hotel-König wird Foto-Resort
  • Kleine Kunstwerke
  • Trauriges Ende eines prominenten Tieres
  • Veranstaltungshighlights 2013
  • Winterimpressionen
  • Krankenhaus: Geld von Stadt und Kurverwaltung
  • Busfahrpläne
  • Gewinn-Rätsel

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 (Textauszug) Rückblick: 150 Jahre Seenotretter auf Norderney

(war) - Ein ereignisreiches Jahr geht für den Ortsverein und die aktiven Bediensteten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS, Hauptsitz in Bremen) auf Norderney zu Ende. Sogar Alfred „Alli“ Visser, die sonst scheinbar unermüdliche Hauptantriebsfeder des Vereins mit seiner Heerschar von Freiwilligen, zeigt zum Ende der Saison hin Ermüdungserscheinungen. Wie er sagt, sei er froh darüber, „dass nun erstmal alles vorbei ist“.

Erst Ende Dezember, zwischen Weihnachten und Neujahr, wird es am historischen Rettungsschuppen am Weststrand nochmals rundgehen mit Glühwein und Würstchen, Manöverfahrten des Seenotrettungskreuzers „Bernhard Gruben“ sowie Filmvorführungen.

21 Mal gab es 2012 von April bis Dezember jeweils am Freitagnachmittag Filmvorträge über die Arbeit der DGzRS. An vier Werbetagen im Sommer wurde die Arbeit der Seenotretter vorgestellt. An 27 Schuppentagen war der Rettungsschuppen samstagnachmittags von 15 bis 17 Uhr für den Publikumsverkehr geöffnet.

Ein ganz besonderes Wochenende hatten die Norderneyer Seenotretter am 4. und 5. August. An diesen beiden Tagen wurde mit einem großen Rahmenprogramm das 150-jährige Jubiläum des Seenotrettungswerks auf der Insel gefeiert. Die Seenot-Rettungsstation Norderney gehört zu den ältesten deutschen Einrichtungen ihrer Art und sie ist sogar noch drei Jahre älter als die DGzRS selbst. Schirmherr der Veranstaltung war der Vorstandsvorsitzende der AG Reederei Norden-Frisia, Carl-Ulfert Stegmann.

Bereits vor der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, wurde 1861 in Emden der Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Ostfriesland gegründet. Er errichtete 1862 eine Seenotstation im Westen von Norderney in der Nähe der Marienhöhe und eine in der Nähe des Leuchtturms.

In beiden war jeweils ein Rettungsboot stationiert, das von zwölf Freiwilligen betreut und im Einsatz gerudert wurde. Diese geschichtlichen Hintergründe erläuterte der Ortsvereinsvorsitzende der DGzRS, Eilt Wessels, in seiner Rede vom 4. August anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten am Rettungsschuppen. Tausende von Besuchern kamen hierzu an den Weststrand, um daran teilzunehmen. 1868 hätten sich die Stationen der DGzRS angeschlossen, so Wessels. 1942 wurde die Oststation im Zuge der Modernisierung der Rettungsboote aufgegeben.

Am Weststrand von Norderney entstand 1892 ein neuer Rettungsschuppen an der Promenade. Das Gebäude erhielt nach einem Umbau 1956 sein heutiges Aussehen und beherbergt seit 1893 das Ruderrettungsboot „Fürst Bismarck“. Von 1862 bis 1928 retteten die Norderneyer 227 Menschen aus Seenot, davon 94 Personen mit dem Ruderrettungsboot „Fürst Bismarck“.

Bürgermeister Frank Ulrichs machte in seiner Laudatio darauf aufmerksam, dass die Anfänge der Seenotrettung auf Norderney sogar bis in das Jahr 1837 zurückreichten. In diesem Jahr habe das Landschaftskollegium in Aurich auf Anregung der „Königlich hannoverschen Landdrosterei“ in Aurich die Einrichtung einer Rettungsbootstation auf Norderney bewilligt. Nachzulesen sei, dass Ehme Jacobs Rass mit seiner Mannschaft das Rettungsboot von Rotterdam abholte, das dann in der damaligen „Heringspackerei“ untergebracht wurde. Unter Berücksichtigung dieses, zunächst staatlich organisierten Rettungswerkes, hat die Seenotrettung auf unserer Insel demnach sogar eine 175-jährige Tradition.

„Bei einem Blick in die Geschichte der Station wird aber schnell klar, dass Norderney stets eine Schlüsselposition im Seenotrettungswerk inne hatte“, betonte Gerhard Harder, der Vorsitzende der DGzRS aus Bremen in seiner Rede. „Das erste Motorrettungsboot war 1927 die „Bremen“, es folgten die „Konsul John“, die „Norderney“ und die „Otto Schülke“. Heute ist hier die „Bernhard Gruben“ stationiert, so Harder weiter.

„Die Station Norderney ist gut aufgestellt. Es wird oft betont, dass wir viele Freiwillige haben, die sich stets immens einsetzen für die DGzRS. Andere Stationen beneiden uns darum“, betont Eilt Wessels auch noch mal in einem Gespräch. Was die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum betraf, freute sich Wessels besonders über die rege Beteiligung von den Helfern, Norderneyer Geschäftsleuten, Gastronomen, Vereinen, Organisationen und Einrichtungen.