He! Norderney - April 2012

Inhalt

  • Wann platzt der Knoten?
  • Ansichtssache: Unangenehme Überraschung
  • Frisia VIII – Erstes Schiff mit Blauem Engel
  • Norderneyer Laientheater: „Einer spinnt immer“
  • Urlaubslektüre: Radio Heimat
  • Rätselauflösung
  • Kolumne: Meine Insel
  • Kleiner Pilz und schweres Gerät
  • Verwechselung mit Schadenfreude

He! Norderney - April 2012 als PDF (13.05 MB)


(Textauszug) Wann platzt der Knoten?

Von Dirk Kähler

Das Nationalparkhaus am Norderneyer Hafen ist in die Jahre gekommen. Nun sieht es so aus, als würde das 1991 gegründete Haus bald ein ganz neues Gesicht bekommen. Fehlt nur noch das Geld.

Seit dem Jahr 2000 ist der Biologe Jürgen Rahmel als Leiter des Hauses verantwortlich und hat das Nationalparkhaus durch nicht immer einfache Zeiten geführt. Es gab sogar eine Phase, da war noch nicht einmal sicher, ob es auch zukünftig ein Nationalparkhaus geben wird.

Die Nationalparkhäuser wurden entlang der Küste gegründet, um Urlaubern und Einheimischen den 1986 gegründeten Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer näher zu bringen. Als Zentren der Umweltbildung hatten sie von Anfang an die Aufgabe, Erwachsenen und Kindern die Besonderheiten und Einzigartigkeit des Wattenmeeres anschaulich zu machen. Die Idee, die dahinter steht: Was man kennt und schätzt, schützt man auch.

Seit 2003, unter der neuen Landesregierung aus CDU und FDP, wurde der Wind rauer für den Nationalpark und seine Einrichtungen. Das Umweltressort kam unter die Herrschaft der FDP. Nun gibt es bei den Freien Demokraten auch Umweltschützer. Hans-Heinrich Sander, FDP-Umweltminister von 2003 bis 2012, hatte sein ganz eigenes Verständnis. Im Jahr 2006 erregte Sander Aufsehen, indem er im Biosphärenreservat Elbtalaue mitten in einem unter besonderem Schutz stehenden Gebiet eigenhändig Bäume vor den Kameras der Journalisten fällte, die seiner Ansicht nach für die damaligen Hochwasser der Elbe verantwortlich waren.

2006 war auch das Jahr der Neuregelung der Finanzierung der Nationalparkhäuser. Wobei neu geregelt vor allem hieß, dass die Mittel des Landes Niedersachsen gekürzt wurden. Neben dem Land sind die Stadt Norderney und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Träger des Hauses.

Damit veränderte sich die Arbeit von Jürgen Rahmel und den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Nationalparkhaus grundlegend. Für Rahmel ist dies kein Grund zur Klage. Er spricht eher neutral vom „Umschwung“. Der bestand zunächst einmal darin, dass seit 2006 im Nationalparkhaus Eintritt erhoben wurde. Damit ging ein deutlicher Rückgang der Besucherzahlen einher. „Als wir Eintritt nehmen mussten, haben wir gesagt, wir müssen es attraktiver machen und die Initiative ergreifen“, erinnert sich der Biologe.

Vor 2006 waren es rund 60.000 Besucher im Jahr, die von einer Lichtschranke am Eingang erfasst wurden. Seit 2006 ging die Zahl der Menschen, die das Haus betreten, auf etwa 45.000 zurück. Darunter fallen alle Anliegen von „nach der Toilette fragen“ bis zum Kauf von Ansichtskarten im Eingangsbereich. Dafür gibt es nun verlässliche Zahlen darüber, wie viele Menschen die Ausstellung aufsuchen und sich inhaltlich mit ihr auseinandersetzen. Das sind im Jahr rund 12.000. Die Eintrittspreise sind mit 2 Euro für Erwachsene und 1 Euro pro Kind verhältnismäßig moderat.

Aber Eintritt ist Eintritt und die Erwartungen der Menschen sind hoch, weiß Rahmel: „Die Leute sind sehr verwöhnt. Da stehen mittlerweile Dinger in der Landschaft, das sind keine Ausstellungen, sondern Erlebniswelten.“ Damit könne die kleine Ausstellung auf Norderney nicht mal ansatzweise mithalten, auch wenn mit Eigenmitteln und Wechselausstellung immer wieder versucht wurde, die Attraktivität zu steigern.

Wie groß das Interesse an den Themen des Nationalparkhauses ist, zeigt eine andere Zahl: 14.400 Menschen nahmen allein 2011 an einer Veranstaltung des Nationalparkhauses teil – mehr als Besucher gezählt wurden. Das Spektrum reicht von Ausflügen in das Watt bis zum Labor für kleine Forscher.

Er sei der festen Überzeugung, so Jürgen Rahmel, dass Norderney ein guter Standort für die Beschäftigung mit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und vor allem mit dem Thema Weltnaturerbe sei, zu dem seit 2009 das Wattenmeer gehört.

Als ersten Erfolg der eigenen Initiative und der Unterstützung durch die Stadt Norderney wurden 2008 Projektmittel für eine Betriebsanalyse gewonnen. Mithilfe dieser Untersuchung war es möglich, die Wirtschaftlichkeit eines neu gestalteten Nationalparkhauses zu prüfen und ein Kommunikationskonzept zu entwickeln. Beides wurde im August 2010 fertig. Und auf dieser Grundlage wurden 2011 Förderanträge für ein ganz neues Nationalparkhaus gestellt.

Den ersten Entwurf dazu lieferte das Bauamt Norderney. An gleicher Stelle würde ein ganz neues Gebäude entstehen mit einem zweistöckigen Ausstellungsgebäude. In einem weiteren dreistöckigen Gebäude wird auf drei Ebenen die Welt unter Wasser, der Lebensraum der Inseln und der Luftraum erlebbar gemacht. Dabei sollen die Kriterien für die Ernennung zum UNESCO-Weltnaturerbe eine besondere Rolle spielen. Auf dem Dach soll dazu noch eine Aussichtsplattform entstehen mit einem „fantastischen Rundumblick“.

„Warum hat das Wattenmeer eigentlich einen weltweit herausragenden Wert“, benennt Rahmel die Fragestellung. Hinzu käme das Thema Nachhaltigkeit, verbunden mit der Frage „wie lebt der Mensch in dieser Region?“ Norderney sei in vielerlei Hinsicht spannend, sagt der Leiter des Nationalparkhauses. Das „Besucheraufkommen pro Flächeneinheit“ sei sehr hoch. Doch trotz des touristischen Drucks gebe es auf Norderney Flächen, die sonst in dieser Form nur noch auf Spiekeroog erhalten seien. „Ein spannender Gegensatz“, schwärmt Jürgen Rahmel. Diese Themen seien auch interessant für den EU-Fördertopf „nachhaltige Entwicklung“.

Zwei große Förderanträge bei der „N-Bank“, die in Niedersachsen auch die EU-Fördergelder verwaltet und beim Landkreis Aurich sind bereits gestellt. Hinzu kommt eine Fördermöglichkeit durch die Wattenmeerstiftung. Die Bewertung der N-Bank ist positiv, sagt Rahmel. Er hatte gehofft, dass dieser dicke Brocken noch im Jahr 2011 genehmigt worden wäre, doch dann sei die Verabschiedung von Umweltminister Hans-Heinrich Sander dazwischen gekommen. Nun liege der Antrag noch im Umweltministerium. Es geht um gut drei Viertel der gesamten Fördersumme.

Auch beim Landkreis Aurich gibt es eine grundsätzliche Bereitschaft etwas beizusteuern. Wenn es so weit ist, hofft Rahmel auf einen Domino-Effekt. Es geht um rund 4 Millionen Euro. Dies sei immer noch bescheiden gegen Projekte wie das „Multimar“ in Tönning / Schleswig Holstein (18 Millionen) oder das „Haus der Berge“ in Berchtesgaden (19 Millionen).

„Aber, es ist auch viel Geld“, sagt Rahmel, der nun hofft, dass der Knoten platzt. Fünf Firmen, berichtet der Biologe, haben an einem Ideenwettbewerb für die Gestaltung der Ausstellung teilgenommen. Die Konzepte seien „inhaltlich schon üppig“. Er sei ungebrochen optimistisch. Für eine einfache Renovierung wäre es seiner Ansicht nach leichter gewesen, an Geld zu kommen. „Es muss aber doch Norderney gerecht werden“, so Jürgen Rahmel.