He! Norderney - April 2011

Inhalt 

  • Golfplatzerweiterung: Sportplatz oder Naturlandschaft?
  • Listen Lüstern Lauschen: Folk-Abend
  • Museum: Entwicklungen und Sonderschau
  • Wirt des Monats: Pasquale Gargiulo / Giftbude
  • Wetterballons für den Norderneyer Himmel
  • Landesbühne: Die 39 Stufen
  • Claus-Ulrich Ipsen: Ausstellung „Bildobjekte“ im Conversationshaus
  • Buchtipp: Dieter Moor
  • Ansichtssache: Kaiserliches Postamt

He! Norderney - April 2011 als PDF (12.27 MB)


(Textauszug) Wetterballons für den Norderneyer Himmel

(bad) – Die Wetterstation am Januskopf bekommt Zuwachs. Voraussichtlich ab Ende Mai wird zweimal am Tag ein mit Helium gefüllter Ballon, an dem eine Messsonde hängt, aufsteigen. Dies teilte Joachim Horn, zuständig für das Messnetz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Norddeutschland, mit. Gemessen wird bis zu einer Höhe von 35 Kilometern. Das sind Messungen in der unteren Atmosphäre, so Horn.

Horns Kollege René Reitter, Projektleiter für das neue Ballon-System, ergänzt, dass der Ballon zwischen 90 und 120 Minuten benötigt, um diese Höhe zu erreichen. Der Chefmeteorologe vom DWD in Offenbach könne zusätzliche Starts anfordern. Das werde je nach Bedarfslage entschieden. Die gemessenen Daten werden an den Boden gefunkt und direkt in die Wettermodelle einbezogen.

Damit die Ballons pünktlich fliegen können, müssen die Bauarbeiten bis zum 15. Mai erledigt sein. Anschließend ist auf der ganzen Insel Baustopp.

Norderney bekommt eine Sonderanfertigung, lackiert in sandbeige, damit sie zwischen den Dünen möglichst nicht auffällt. Das war Bedingung bei den Genehmigungsverfahren. Zusätzlich leistet der DWD Ausgleichsmaßnahmen für die Flächen, die im Laufe der Bauarbeiten versiegelt werden.

Der Ballon ist aus flexiblem Material gefertigt, das sich mit abnehmendem Luftdruck ausdehnt. Zunächst hat er einen Durchmesser von etwa zwei Metern. Kurz bevor er platzt, ist er dann etwa so groß wie ein kleines Einfamilienhaus, so Frank Kahl, hiesiger Wetterbeobachter. Das sei zwischen 30 und 40 Kilometern Höhe der Fall. Die an ihm durch eine 35 Meter lange Schnur befestigte Sonde fällt dann an einem kleinen Fallschirm zurück zur Erde. Sie wird nicht noch einmal verwendet. Das Einstellen für einen neuen Start ist laut Horn aufwändiger und damit teurer als eine neue Sonde zu nehmen.

Die Sonde übermittelt insgesamt fünf Messwerte an die Bodenstation. Lufttemperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit werden direkt gemessen. Windrichtung und Windgeschwindigkeit werden über das eingebaute GPS-Modul, das laufend die Position der Sonde feststellt, indirekt ermittelt. So entsteht ein dreidimensionales Bild über das aktuelle Wettergeschehen in schwer erreichbaren Höhen. Die gewonnenen Daten bilden unter anderem die Grundlage für die tägliche Wettervorhersage.

Bundesweit gibt es acht Wetterstationen, von denen Helium-Ballons gestartet werden. Die neue Station ersetzt eine ähnliche Einrichtung in Emden. Hintergrund sind laut Horn Einsparungsmaßnahmen. Die Messwerte der Station in Emden werden zwar weiter an den DWD übermittelt, aber die personalintensive Betreuung fällt durch den Neubau der Station auf Norderney weg. Das neue System benötigt weit weniger Betreuung. Das spart Geld.

Die Norderneyer Station des DWD hat bereits einen neuen Windmast erhalten. Kahl berichtete, dass die Arbeiten nötig wurden, weil der alte Mast baurechtliche Anforderungen nicht mehr erfüllte. Die eingesetzten Sensoren sind ebenfalls neu. Während der Bauarbeiten führten Kahl und seine Kollegen Manfred Fischer und Frank de Neidels die nötigen Messungen von Hand durch.

Der neue Mast steht in einem festen Fundament. Dazu wurde ein Stahlkorb geflochten, der, in bereits gesetzte Betonringe im Boden eingelassen, mit Zement vergossen wurde. Der Stahlkorb ist 3,50 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 1,89 Meter. Der Korb sorgt für die nötige Elastizität im Fundamentblock. Ohne ihn könnte das Fundament bei sehr starker Windbelastung brechen.